Samstag, 12. April 2014

Save the date: Aktion »Blogger schenken Lesefreude«

Wir verlosen ein Buch an unsere LeserInnen!

Wir als Bloggerinnen fühlen uns wieder ganz ehrenhaft dazu aufgerufen, zum Welttag des Buches – am 23. April – ein Buch zu verlosen. Im Rahmen der wundervollen Aktion Blogger schenken Lesefreude möchten wir auch dieses Jahr wieder dazu beitragen, euch etwas zurückzugeben und eure Lesebegeisterung zu unterstützen. Zum zweiten Mal organisieren Dagmar (Buchkind-Blog) und Christina (Pudelmützes Bücherwelten) die Aktion, an der wir bereits im letzten Jahr teilgenommen haben.

Und verlost wird…

Natürlich haben wir für die Verlosung nach einem Buch gesucht, das unserem Anspruch an engagierte europäische Literatur gerecht wird. Entschieden haben wir uns für Andrzej Barts Die Fliegenfängerfabrik, das uns zu unserer großen Freude vom Schöffling Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Der polnische Autor arbeitet die Geschichte des bis heute umstrittenen Vorsitzenden des Judenrats im Łódźer Ghetto - Chaim Rumkowski - auf. In einem fiktiven phantastischen Prozess leben historische Gestalten wieder auf und die Frage nach historischer Schuld wird multiperspektivisch betrachtet, sodass die Darstellung facettenreich, aber nicht schwerfällig ist.

Wie nehme ich am Gewinnspiel teil?

Am 23. April werden wir die Aktion mit einem Post einläuten, in dem das Buch nochmal genauer vorgestellt wird. Die Fliegenfängerfabrik wird dann unter den LeserInnen verlost, die einen Kommentar unter dem Post auf unserer Website hinterlassen und uns mitteilen, warum sie das Buch gerne lesen möchten, wie sie auf unseren Blog gestoßen sind oder was engagierte Literatur für sie ist (seid kreativ!). Kommentieren könnt ihr dann bis zum 29. April um 23:59h. Ihr müsst allerdings darauf achten, euren Namen und eine gültige Emailadresse zu hinterlassen, damit wir euch benachrichtigen können, wenn ihr gewonnen habt.

Also, merkt euch das Datum schon einmal vor und wartet auf unseren ausführlichen Post. Wir freuen uns bereits auf euer Engagement und eure Kommentare!

Von Sigrid

Montag, 7. April 2014

Rezension: »Traumsammlerin« von Patti Smith



Patti Smiths Traumsammlerin ist ein wunderschönes kleines, sehr besonderes Buch. 

Ich hatte vor einiger Zeit Just Kids gelesen und war begeistert von der poetischen Sprache und den ausdrucksstarken Sprachbildern, die Patti Smith darin kreiert. Die Traumsammlerin übertrifft das noch. Der jetzt auf Deutsch übersetzte Band, der nur knapp 100 Seiten umfasst, erschien zum ersten Mal vor 20 Jahren in limitierter Auflage in den USA. In 14 kurzen Texten erzählt Smith von ihrer Kindheit, ihren Anfängen als Punkrock-Musikerin und sehr persönlichen Episoden aus ihrem Alltag. Spannend sind die Einblicke in ihr künstlerisches Arbeiten, die mich schon in Just Kids beeindruckt haben: Sie schildert, wie sie Inspiration in kleinen Gegenständen findet, die sie in einem Tuch bei sich trägt, oder wie eine zufällig gehörte Musik oder das Zeichnen ihre Kreativität beflügeln. 

Am poetischsten ist das Buch aber, wenn sie Szenen aus ihrer Kindheit beschreibt, die zwischen Traum und Realität zu oszillieren scheinen.
»Die Gedankenwelt eines Kindes ist wie ein Kuss auf die Stirn - offen und unbefangen. Sie dreht sich wie die Ballerinas auf einer mehrstöckigen Geburtstagstorte mit viel Zuckerguss, giftig und süß.«
Die Traumsammlerin ist ein poetisches Kleinod, aber kein Gedichtband, ein sehr persönliches Buch, aber keine Autobiographie. Die einzelnen Episoden stehen für sich, aber zeichnen auch ein Gesamtbild der vielseitigen Künstlerin Patti Smith.

Von Jessica

Patti Smith: Traumsammlerin. Kiepenheuer & Witsch 2013.

Donnerstag, 3. April 2014

Rückblick: unsere Themen im März 2014

Wir werfen jeden Monat einen Rückblick auf unsere Posts - und wollen euch so die Orientierung und das Nachlesen unserer Beiträge erleichtern!

Das Highlight im März war das Vorlesen in einem SeniorInnenzentrum. Endlich konnten wir uns wieder mithilfe von Literatur engagieren, was uns sehr viel Spaß gemacht hat!

Im LitClub haben wir nun Die Eismalerin von Kristín Marja Baldursdóttir abgeschlossen. Den Roman haben wir bei den Treffen sehr stark diskutiert. Wie unterschiedlich wir Aspekte des Romans wahrgenommen haben, könnt ihr hier und hier nachlesen.

Diskutiert hat Sigrid auch den Roman Little Bee von Chris Cleave in ihrer Rezension, in der sie auch berichtet, warum der Roman für sie engagiert ist. Engagiert findet unsere Leserin Hanna auch die Kinderbuchreihe Ella des finnischen Autors Timo Parvela. Sie berichtete von einer Lesung des Autors für Kinder in Berlin.

Hanna war aber auch auf der Leipziger Buchmesse unterwegs. Was sie dort erlebt hat, könnt ihr in ihrer Rückschau auf die Messe nachlesen.

Im März fand zudem der Indiebookday statt - eine Initiative für unabhängige Verlage.

Was wäre ein Monat ohne unseren SUB? Dieses Mal kam er von Ann-Christin, die nur eine Auswahl von ihren insgesamt 93 ungelesenen Büchern präsentieren konnte. Außerdem haben wir auch im März wieder für einen Post das Medium gewechselt: Anne-Kathrin hat ergründet, warum die TV-Serie Mad Men engagiert ist.

Dienstag, 1. April 2014

Ann-Christins SUB im März

Es sind immer wieder die neuen und (scheinbar) interessanteren Bücher, die mir dazwischen kommen und mich davon abhalten, die zu lesen, die bereits in meinem Regal stehen. Heute präsentiere ich zum ersten Mal meinen Stapel ungelesener Bücher und musste feststellen, dass mein Regal aus 93 (!) ungelesenen Büchern besteht, hinzu kämen noch die vielen e-Books auf meinem Reader, aber die habe ich lieber nicht mitgezählt.

Hier ist also eine kleine Auswahl der Bücher, die in der Lesereihenfolge weit oben liegen (für das nächste Mal sollte ich mir zur Abwechslung ein paar Klassiker vornehmen ;)):

SUB (Stapel ungelesener Bücher)

Romane
  • Daniel Zahno – Manhattan Rose
  • Maria Regina Heinitz – Als der Sommer eine Farbe verlor
  • Tanja Langer – Nächte am Rande der inneren Stadt
  • Jeet Thayil – Narcopolis
  • Michael Weins – Lazyboy
  • Egyd Gstättner – Das Geisterschiff
  • Ian McEwan – Honig
  • Juli Zeh – Nullzeit
  • Eva Menasse – Quasikristalle
  • Kjell Westö – Geh nicht einsam in die Nacht
  • Elisabeth Rank – Und im Zweifel für dich selbst
 Kurzgeschichten
  • Peter Stamm – Wir fliegen
  • Hanna Lemke – Gesichertes. Stories
  • Nadja Einzmann – Da kann ich nicht nein sagen
  • Katrin Askan – Wiederholungstäter
 
SAB (Stapel angelesener Bücher)
  • Luo Lingyuan – Nachtschwimmen im Rhein. Erzählungen
  • Benjamin Lebert – Im Winter dein Herz
  • Jennifer Egan – Der größere Teil der Welt
  • Yoko Tawada – Talisman
  • Sibylle Berg – Der Mann schläft
  • Katrin Seddig – Runterkommen
  • Jens Steiner – Hasenleben
  • Terézia Mora – Der einzige Mann auf dem Kontinent

Von Ann-Christin

Sonntag, 30. März 2014

Gedichte vorlesen im SeniorInnenheim - ein kleiner Rückblick

Mehr als eine Woche ist es schon her, dass wir - Freya, Sigrid und ich - in einem SeniorInnenzentrum in der Umgebung von Gießen vorgelesen haben. Aber besser spät als nie wollen wir einen kleinen Rückblick auf das Engagement posten.

Wir hatten uns im Vorfeld überlegt, dass wir den SeniorInnen gerne Gedichte vorlesen wollten. Denn sie sind gebührend kurz und beim Lesen entstehen zwischen den Gedichten Pausen, die sowohl für uns Vorleserinnen als auch für unsere ZuhörerInnen, von denen die meisten an Demenz erkrankt sind, hilfreich zum Verschnaufen waren. 

Als Oberthema der Gedichte wählten wir, passend zu den ersten wärmeren Temperaturen diesem Jahr, den »Frühling« aus. Wir lasen unter anderem Gedichte von Mörike, Uhland, Heine und Kaléko. Besonders gut kam Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Fontane an, das wir zweimal lasen. Viele der Damen an unserem Tisch erkannten das Gedicht wieder und sprachen es mit. Aber auch der Humor von Kurt Tucholsky ging an unserem Publikum nicht verloren.

Vorlesen mit Herausforderungen

Während des Vorlesens merkten wir wieder, wie wichtig die eigene Haltung ist. Denn natürlich ging nicht alles glatt - zwei Damen unterhielten sich lautstark am Nachbartisch, was einige Damen an unserem Vorlesetisch sehr entzürnte. Einige deftige Worte fielen zwischen den Gedichten, und ab und zu auch mal während wir vorlasen. Umso wichtiger ist es in solch einer Situation, flexibel zu sein und sich nicht zu sehr auf ein möglichst perfektes Vorlesen zu versteifen. Wir haben die Situation mit Humor genommen und so beim Vorlesen trotzdem nicht den Spaß verloren.

Eine weitere Herauforderung, auf die wir bereits beim letzten Vorlesen in einem SeniorInnenheim stießen, ist das Volumen und die Höhe unserer Stimme. Gerade im Aufenthaltsraum, in dem es wuselig zugeht und in dem alle Geräusche aus den Zimmern widerhallen, war es für uns zuweilen recht schwer, die Lautstärke so anzupassen, dass das ganze »Publikum« uns gut verstehen konnten (einige können nicht mehr gut hören). Ein Mikrofon wäre ideal gewesen. Wir behalfen uns, in dem wir uns beim Vorlesen neben die Damen stellten, die Probleme beim Hören haben. Das ging dann ganz gut.

Unser Fazit: Wir wollen auf jeden Fall wieder vorlesen!

Alles in allem hatten wir viel Spaß bei der halben Stunde Vorlesen im SeniorInnenheim. Wir glauben, auch den meisten SeniorInnen hat es gefallen. Sie sahen recht andächtig aus, als wir gingen, und viele verabschiedeten uns sehr herzlich. 

Wir wollen auf jeden Fall bald wieder dort vorlesen - vielleicht schon mit Gedichten über den Sommer.

Von Anne-Kathrin

Mittwoch, 26. März 2014

Rückblick: Besuch auf der Leipziger Buchmesse

Es war bunt, voll und ging lustig zu auf der Leipziger Buchmesse. Wie es auf einer Messe eben sein muss. Große, kleine, dicke, dünne Menschen mit Tüten voller Werbegeschenke unter dem Arm und Hotdogs in der Hand drängten aneinander vorbei. In der Eingangshalle tummelten sich Jugendliche, die sich im Cosplay-Stil wie japanische Manga- oder Anime-Charaktere verkleidet hatten, und aus jeder zweiten Ecke klang eine Vorleser-Stimme. Und natürlich gab es Bücher, Bücher und nochmals Bücher, für klein und groß, mit Bilder oder ohne, zum Hören, Gucken, Lesen.

Nun ist schon wieder mehr als eine Woche vergangen, seitdem die Leipziger Buchmesse ihre Tore geschlossen hat. Eine Woche, in der in den deutschen Zeitungsfeuilletons eine gewisse Literatur-Ruhe eingekehrt ist. Plötzlich findet der kulturinteressierte Leser wieder Theaterrezensionen, Ausstellungspräsentationen und Konzertvorankündigungen.

Viel Begeisterung bei den FeulletonistInnen

Dabei hatten sich die KulturjournalistInnen vor lauter Begeisterung überschlagen. Erstens über die Veranstaltung selbst, die mit 237.000 BesucherInnen einen Rekord verzeichnete, und zweitens über die dort vertretenen Literatur. In erster Hinsicht, weil Saša Stanišić für seinen Roman Vor dem Fest den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik bekam. Durch die Bank weg wurde er gelobt wie es nur ging. Andreas Platthaus von der FAZ soll Stanišićs Roman gleich drei Mal gelesen haben, der von einem fiktiven Dorf in der Uckermark erzählt, dessen grundverschiedene BewohnerInnen sich an einem Sommerabend zu einem Fest zusammen finden.

Diese Auszeichnung sprach laut der FeuilletonistInnen für die Buchmesse und der Konsens lautete, Leipzig sei experimentierfreudig und gegenwärtig. Tatsächlich gab es auf der Messe viel zu sehen und zu hören. 3.200 Lesungen an 410 Orten wurden während der vier Tage auf dem Messegelände und in der Stadt angeboten. Schwerpunktland der Messe war die Schweiz, die sich mit Lesungen und Diskussionen auf einer großen Bühne im Eingangsbereich präsentierte. Die Präsidenten des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV), Marianne Sax, zeigt sich im Nachhinein ebenfalls sehr zufrieden: »Was die Veranstaltung adelte, war das große Interesse des Publikums.«

Bunt und kreativ, aber nicht digital 

Und interessiert schienen die Menschen wirklich. Vielleicht weil eben für jeden etwas dabei war: Bücher für KunstliebhaberInnen, Reiselustige, Wissbegierige und vieles mehr. Zum ersten Mal gab es eine eigene Halle für die Manga-Comic-Verlage und -Marketingfirmen, was auch den Ansturm der Verkleideten erklärte. Im Vergleich zu den anderen Hallen ging es hier jedoch eher ramschig zu. Die Kids saßen in ihren Kostümen relativ teilnahmslos herum, während auf der großen Lesungsbühne gähnende Leere herrschte. Viel engagierter ging es bei »The Millionaires Club«, einem parallel zur Messe laufendem unabhängigen Comic- und Grafikfestival, in der Südvorstad zu. Hier wurde diskutiert, gezeichnet und das Gezeichnete anschließend verkauft. Verleger wie Reprodukt präsentierten sich inmitten junger KünstlerInnen aus Leipzig und Europa.

Doch genau diese Offenheit dem nicht Literarischen und Spielerischen gegenüber trug zu der Atmosphäre der Buchmesse bei. Sie machte eben einen bunten, jungen und aufgeschlossenen Eindruck. Umso seltsamer, dass ich keinem einzigen E-Book über den Weg gelaufen bin. Ganz allgemein war das Digitale kaum vorhanden. Nicht einmal ein iPad zur Demonstration oder Produktpräsentation war da zu finden. Auch der Tagesspiegel stellte fest, die Digitalisierung der Branche sei außen vor geblieben und Leipzig sei im Vergleich zu Frankfurt ein »analoges Hoheitsgebiet«

Von Hanna
(Text & Fotos)

Freitag, 21. März 2014

Morgen ist Indiebookday!

Wir haben uns seit einer Weile schon mit dem Gedanken beschäftigt, wie man kleine, unabhängige Verlage besser ausfindig machen kann. Denn diese Verlage stecken oft sehr viel Engagement und Überzeugung in ihre Bücher und Programme. 


Zu diesem Zweck hat der Mairisch Verlag letztes Jahr den Indiebookday ins Leben gerufen. An diesem Tag werden begeisterte Leser dazu aufgerufen, in die Bücherei ihres Vertrauens zu gehen, ein Buch eines unabhängigen Verlages zu kaufen und das Cover über Social Media-Kanäle online zu stellen.

Liste unabhängiger Verlage

Um die tollen Programme der unabhängigen Verlage, die den deutschen Buchmarkt als Kollektiv sehr stark mitprägen, stärker publik zu machen, könnt ihr euch gerne darüber informieren, welche unabhängigen Verlage es gibt. Für diesen Zweck sind einige Listen entstanden, die ihr z.B. über die Homepage des Indiebookday oder über die Homepage der Hotlist, ein Buchpreis für unabhängige Verlage, einsehen könnt.

Auf der Homepage des Indiebookday könnt ihr außerdem auch nochmal ganz genau nachlesen, wie genau eure Unterstützung morgen aussehen kann. Also, viel Spaß beim Lesen!

Von Sigrid

Mittwoch, 19. März 2014

»Und wie seht ihr das?« – »Die Eismalerin« von Kristín Marja Baldursdóttir, Teil II

In unserer Rubrik »Und wie seht ihr das?« wollen wir euch unsere Literaturclub-Treffen näher bringen: In Interviewform werden wir euch Fragen und Meinungen präsentieren, die wir so in geselliger Runde an- und ausdiskutiert haben und so gleichzeitig auch die Werke besprechen, die wir lesen. Hier der zweite Teil von »Die Eismalerin«.


Gibt es eine Szene im Roman, die euch besonders beeindruckt hat? 

Eva: Positiv beeindruckt war ich von der Szene, als Karitas zusammen mit Audur den Gipfel des nahegelegenen Bergs besteigt. 

Sigrid: Da sind wir uns einig. Audur spornt Karitas immer weiter an, noch ein bisschen weiter zu gehen, bis sie letztendlich den Gipfel erreichen. Dabei drängt Audur Karitas nicht, sondern appelliert immer wieder an ihr Ego, ihre Kraft und ihre eigene Motivation. Hier scheint Karitas endlich wieder mehr in sich zu vertrauen und in das, was sie, als Frau, erreichen kann. Denn Audur sagt, dass die Männer ihnen das nicht zutrauen würden und dass man sie auch ruhig in diesem Glauben lassen kann. Negativ gestimmt haben mich allerdings im Nachhinein der Titel des Buches und der Klappentext. Beides stellt das Buch falsch dar und weckt Erwartungen im Leser, die das Buch so nicht erfüllen kann. Denn Karitas beschreibt in ihrer Passivität weder, dass es »ihr größter Wunsch ist«, Malerin zu werden, noch trifft sie die »folgenschwere Entscheidung« für die Familie und gegen ein Leben als Künstlerin. Sie ergibt sich der Situation und wird eben dadurch charakterisiert, bis zum Ende der Erzählung keine aktive Entscheidung zu treffen. 


Ist Die Eismalerin in euren Augen ein engagierter Roman – und weshalb (nicht)? 

Jessica: Eventuell in dem Sinn, dass der Roman die Herausforderungen für Frauen in Island zu Beginn des letzten Jahrhunderts erzählt. 

Sigrid: Ich würde auch sagen ja, aber nicht auf sehr offensichtliche Weise. Denn Karitas wird ja nicht als starke Frau dargestellt, die sich gegen alle Widrigkeiten der Zeit oder gegen die gesellschaftliche Stellung der Frau radikal durchsetzt. Im Gegenteil, sie ergibt sich den Erwartungen an sie als Frau und sie zerbricht fast daran. Aber eben diese Darstellung regt zum nachdenken an und wenn man im Laufe des Leseerlebnisses am liebsten laut auf sie einreden möchte, weil man absolut nicht nachvollziehen kann, warum sie sich so passiv der Situation ergibt, dann ist das meiner Meinung nach auch eine Aussage des Romans: Denn der Kampf, den sie führt, den sie aber offensichtlich überhaupt nicht reflektieren oder gar benennen kann, ist der Zeit, dem Druck der Gesellschaft und dem damaligen Wissensstand geschuldet. Wir, die wir heute Zugang zu so viel Wissen haben und die sich selbst auch vielleicht öfter als nötig in Frage stellen, können fast nicht mehr nachvollziehen, warum Karitas so wenig selbstbestimmt und so naiv ist. Und das ist doch schon eine Errungenschaft für uns heute, oder nicht? 

Freya: Historisch gesehen kann Baldursdóttirs Werk sicherlich als engagierter Roman bezeichnet werden. Allerdings hätte ein stärkerer Kontrast zum Kontinent, beispielsweise mit Episoden aus Karitas' Studienzeit, diesem Bemühen mit der potenziell daraus folgenden Dramatik zu mehr verhelfen können. Ohnehin scheint mir der Erfolg des Romans nicht nur von einem historischen Verständnis, sondern auch sehr von einem "transkulturellen Empfinden" abhängig zu sein, wenn man von seinen fremdsprachlichen Lesern ausgeht. Selbstverständlich ist das "Fremde", das transkulturelle, für genau diese Leserschaft ein großer Gewinn. Und doch: Geschichte will im Falle historischer Romane gelebt und wiedererweckt, nicht bloß gezeichnet werden. Der Autorin gelingt dies nur annähernd, da ihre Figuren zu einem Großteil die Historie ihrer Kulisse nicht mittragen. 

Anne: Ich würde Die Eismalerin eher nicht als engagierte Literatur bezeichnen, auch wenn der Roman Probleme und Rahmenbedingungen der (isländischen) Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Auch bei unseren Treffen hat Die Eismalerin für lebhafte Diskussionen gesorgt. Für mich ist der Roman aber einfach zu wenig aussagekräftig, bzw. zu wenig ausdrucksstark, als dass ich ihn als engagierte Literatur bezeichnen kann. 

Anne-Kathrin: Für mich ist der Roman auf jeden Fall engagiert. In der Entwicklung, die Karitas durchmacht, ist ein starker Wille zur Selbstständigkeit – der aber im Verlauf des Romans immer wieder durch diverse Wendungen des Schicksals, wenn ich das mal so pathetisch ausdrücken darf, konterkariert wird. Diesen inneren Kampf um dasjenige, was einem wichtig ist, darzustellen, ihn aber auch mit den Widrigkeiten des Lebens zu konfrontieren, finde ich ein sehr engagiertes Thema. 


Wem würdet ihr dieses Buch empfehlen? 

Ann-Christin: Allen, die sich für Island aus historischer Perspektive interessieren, insbesondere für den Alltag der Menschen zwischen den beiden Weltkriegen und das (damalige) Frauenbild.

Jessica: Ja, es ist etwas für LeserInnen, die sich für Island und die Geschichten von Frauen zu Beginn des letzten Jahrhunderts interessieren. Es ist für mich allerdings keine Liebesgeschichte. 

Freya: Um einen Einblick ins Island des frühen 20. Jh. und in das Leben der Frauen zu dieser Zeit zu bekommen, ist Die Eismalerin kein schlechter Einstieg. Die nostalgische und mystische Atmosphäre ist die überzeugendste Leistung der Autorin. Jedoch finden viele, positiver behaftete (feministische) Entwicklungen nur am Rande Erwähnung oder finden keine Verwendung. Wer Heimatromane oder »domestic fiction« schätzt, wird der Eismalerin jedoch etwas abgewinnen können. 

Anne-Kathrin: Ich würde dieses Buch sicherlich niemandem empfehlen, der von einer »Liebesgeschichte der ergreifendsten Art« träumt, wie das Buch auf dem Klappentext beworben wird. Denn die Beziehung zwischen Karitas und Sigmar, in der sich Karitas immer wieder dem äußeren Zwang ihres Mannes ausgesetzt findet, ist für mich alles andere als überzeugend, eher gruselig. Ansonsten würde ich das Buch jedem/r zu lesen empfehlen, denn die Meinungen im LitClub gingen so weit auseinander, dass man es wohl einfach gelesen haben muss, um sich eine Meinung zu bilden :) 

Sigrid: Ich habe das Buch bereits einer Freundin empfohlen, aber eher indirekt. Denn ich habe angefangen ihr zu erzählen, worum es in dem Buch geht und habe dabei gemerkt, wie sehr es mir doch gefällt, obwohl ich der Figur Karitas als solche doch auch sehr ambivalent gegenüberstehe. Ich habe ihr erzählt, wie lange Karitas braucht, um zu ihrer Entscheidung zu gelangen und wie sie als Frau dargestellt wird. Meine Freundin meinte, sie fände es spannend, wie die Figur auf diese Weise in der Zeit des frühen 20. Jh. in Island beschrieben wird. Ich glaube, sie wird es lesen.

Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin. übers. v. Coletta Bürling. Fischer, 2007.

Von Silvia

Montag, 17. März 2014

»Und wie seht ihr das?« – »Die Eismalerin« von Kristín Marja Baldursdóttir, Teil I

In unserer Rubrik »Und wie seht ihr das?« wollen wir euch unsere Literaturclub-Treffen näher bringen: In Interviewform werden wir euch Fragen und Meinungen präsentieren, die wir so in geselliger Runde an- und ausdiskutiert haben und so gleichzeitig auch die Werke besprechen, die wir lesen. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schafft es die verwitwete Steinunn Olafsdóttir mit ihren sechs Kindern auf Island ein neues Leben auf der anderen Seite der Insel zu beginnen - und alle ihre Kinder auf die Schule zu schicken. Karitas, das jüngste der drei Mädchen, zeichnet gerne und gut und wird entdeckt. Sie darf nach Dänemark auf die Kunsthochschule und plant gerade ihre erste Ausstellung in Reykjavik, als ihr Leben eine andere Wendung nimmt und sie einen jungen Seemann namens Sigmar kennenlernt. Fortan wird die Kunst in ihrem Leben nicht mehr an erster Stelle stehen und sie wird Verpflichtungen als Hausfrau und Mutter nachkommen müssen.


Wie war euer erster Eindruck von Die Eismalerin?

Jessica: Gut. Ich fand insbesondere die Beschreibungen oder vielmehr Entstehungsgeschichten der Zeichnungen sehr schön und poetisch. Außerdem finde ich das man durch die Beschreibungen der Landschaft und der Kälte in die Atmosphäre des Romans hineingezogen wird.  

Ann-Christin: Als ob man gerade in Island angekommen ist, mittendrin im 20. Jahrhundert auf einem Hügel stehend mit Blick auf den Fjord, Salzgeruch in der Nase und Wind im Haar. Die vielen Beschreibungen machen die Atmosphäre besonders greifbar. Die Eismalerin wirkte zu Beginn eher wie ein Familienroman, doch nahm schnell Karitas in den Blick – ich freute mich also auf einen Künstlerroman, der Karitas' Weg und Schaffen als Malerin darstellt, doch das dieser so holprig wird und sie mitunter gänzlich vom Weg abkommt, hätte ich nicht erwartet.

Eva: Mein erster Eindruck war positiv. Ich war gespannt mehr über Island zu erfahren, konnte mich gut in die Geschichte einfinden und fand auch die Idee mit den Bildbeschreibungen vor jedem neuen Kapitel sehr interessant.  

Anne-Kathrin: Ich war auf den ersten Seiten noch nicht begeistert von dem Buch, das mich aber im Leseverlauf zunehmend überzeugt hat. Die Kühle der Erzählung, sowohl auf inhaltlicher Ebene als auch auf der sprachlichen, ein paar ironische Zwischentöne, die mich an Joanna Bators Sandberg erinnert haben, und insbesondere der Plot haben es mir sehr angetan. Damit gehörte ich zur Minderheit im LitClub ;-) 

Anne: Der Beginn des Romans bzw. das gesamte erste Kapitel hat mir noch gut gefallen. Ich mochte die Thematik der alleinerziehenden Mutter, die alles aufgibt und mit ihren fünf Kindern so entschlossen, fast stoisch einmal um Island reist, um diesen eine Ausbildung zu ermöglichen und damit auch ein hohes Risiko eingeht. 

Sigrid: Mein erster Eindruck war ebenfalls positiv, da die kleine Karitas zu Beginn eine starke Persönlichkeit hat und sehr sympathisch ist aufgrund ihrer Darstellung als kleine Lebenskünstlerin. Im Laufe der Erzählung wird sie leider von den Werten und Ansprüchen der isländischen Gesellschaft dieser Zeit eingeholt und ihre passive Hinnahme der Geschehnisse verstört nicht nur sie selbst sondern auch den Leser. Aber das macht die Erzählung, denke ich, auch irgendwie authentisch, denn man gewinnt einen Einblick in die begrenzten Möglichkeiten dieser Zeit und den Mangel an Weitblick und Selbstbewusstsein. 

Freya: Der Roman mutet sehr skandinavisch an. Die Nostalgie welche das Leseerlebnis prägt entsteht nicht zuletzt durch die Ähnlichkeit zu Lindgrens Schilderungen von Familienleben sowie dem Schreibstil der Schwedin. Auch Erinnerungen an Theodor Storms Landschaftsdarstellungen und seine ambivalenten Charaktere im Schimmelreiter werden wach. Im ersten Drittel der Eismalerin zeigt Baldursdóttir ihre Stärken, sie weckt das Interesse des Lesers sowohl mit ihren schemenhaften aber starken Figuren und fängt auch die Stimmung gut ein, welche sich als Hauptaufhänger zum Weiterlesen herauskristallisieren wird.


Wie würdet ihr Karitas charakterisieren und welche Entwicklung macht sie im Verlauf des Romans durch?

Eva: Ich habe Karitas zu Beginn des Romans als ein aufgewecktes junges Mädchen kennengelernt, was ihren Platz unter den Geschwistern und vor allem neben ihren beiden älteren Schwestern sucht. Im ersten Teil des Buchs entwickelt sie sich zur Lebenskünstlerin, die sich und ihrer Familie trotz schwieriger Umstände ein gutes Leben ermöglicht. Dieser Erfindungsreichtum geht im Laufe ihres Lebens immer mehr verloren und aus dem aktiven Mädchen wird eine passive Frau. Erst mit ihrer Entscheidung ganz am Ende des Buchs deutet sich an, dass sich dies wieder ändern könnte.

Ann-Christin: Ja, zu Beginn des Romans hat sie vor allem im Haushalt mitgeholfen und durch ihre Neugier schnell Kontakte im Dorf geknüpft und so die Familie wirtschaftlich voran gebracht, z.B. der Mutter eine Strickmaschine besorgt und andere Waren eingetauscht. Sie war gesprächig, an Menschen interessiert und saß manchmal gerne auf den Hügeln, um die Landschaft und die Fjorde zu genießen. Die Figur der Karitas bot viel Potenzial, um zu einer eigenständigen und selbstbewussten Frau heranzuwachsen, doch sie bleibt in ihrer Entwicklung stehen, scheitert an den Lebensumständen als Frau – ohne je gekämpft zu haben. Sie wird passiv und leidenschaftslos: Vieles, das passiert, fällt ihr zu und ist oft keine bewusste Entscheidung.  

Anne: Da stimme ich zu – zu Beginn erscheint Karitas als starkes junges Mädchen, welches die Familie durch ihr Verhandlungsgeschick und ihr Talent zu »netzwerken« in vielen alltäglichen Dingen unterstützen kann und sich auch als jüngste der drei Töchter durchsetzt und behauptet. Als Karitas älter wird, wirkt sie jedoch immer passiver – ich hatte mit dem Verlauf des Romans das Gefühl, Karitas wird durch ihr Leben geschoben wie eine Schachfigur: Zunächst von ihrer Gönnerin, durch die sie nach Kopenhagen gelangt, dann von ihrer Schwester, die sie auf ihren Hof holt, danach von ihrem zukünftigen Ehemann, der sie quasi »einkassiert« und schließlich – nach ihrem Zusammenbruch – von den Bewohnerinnen des Dorfes, in dem sie lebt. Zwar versucht Karitas immer wieder, sich durch das Zeichnen und Malen etwas Eigenes zu schaffen, bleibt aber abhängig von den Lebensentwürfen und -umständen, die andere ihr zugedacht haben. Erst am Schluss des Romans gelingt es ihr, eine eigene Entscheidung zu treffen und ihren eigenen Weg einzuschlagen.

Jessica: Karitas ist als Kind fröhlich, klug, witzig und pragmatisch. Sie setzt ihren Kopf durch und bekommt, was sie will. Sie ist eine gute Beobachterin, wie man auch an ihren Zeichnungen sieht, und sie ist eine Geschichtenerzählerin. Im Laufe des Romans zieht sie sich zum Teil in sich zurück, auch weil sie später als Frau und Mutter mit bestimmten Rollenerwartungen konfrontiert sieht.

Sigrid: Sie entwickelt sich erst einmal zurück nachdem sie von ihrem Studium aus Dänemark zurückkehrt. Sie ergibt sich den Situationen und trifft niemals aktiv eine eigenständige Entscheidung, z.B. für die Familie und gegen die Arbeit als Künstlerin. Und, ich denke, genau das macht auch ihren inneren Konflikt aus. Die Entwicklung hin zu einer Entscheidung, die alleine ihr zugutekommt und eventuell andere vor den Kopf stößt, gelingt erst ganz am Ende der Erzählung.

Freya: Ich finde, die Figur der Karitas scheint machtlos und unentschlossen, viel mehr noch, sie scheint sich selbst nicht zu kennen. Aus einer anfangs engagierten, starken und mutigen Frau wird ein in sich verlorenes Wesen, welches nicht wagt seine Bedürfnisse und Möglichkeiten zu definieren bzw. sich selbst sogar die Kraft und Kapazitäten dafür abspricht. Dies zeigt sich, als sie gegen Ende des Buches Berge besteigt, was sie zunächst bestärkt und endlich an sich glauben lässt, gleichzeitig aber nur vorübergehend Wirkung zeigt, da bald klar wird, dass Sigmars Macht über sie ihr Leben mehr bestimmt als ihr Wille und ihre Bereitschaft zur Selbstergründung. Während sie ihre Kinder sowie ihre Geschwister und anfangs auch sich selbst liebt, trumpft das Verlangen nach Sigmar all ihre Sehnsüchte. Da hilft es nicht viel, dass besagter Ehemann ihrer Kunst hin und wieder eine gewisse Wichtigkeit einräumt, vor allem da Karitas sich selbst nicht einmal im Klaren ist, inwieweit diese zur Selbstverwirklichung überhaupt notwendig ist.

Anne-Kathrin: In meinen Augen ist Karitas ist vor allem Tochter und Schwester, dann Künstlerin. Ich charakterisiere sie weniger als Mutter und Ehefrau, obwohl ihr Ehemann Sigmar und ihre Kinder theoretisch einen großen Teil der Geschichte ausmachen. Karitas geht recht stoisch ihren Weg, auch wenn sie nicht immer sicher zu sein scheint, wie dieser Weg eigentlich aussieht. Für eine junge Frau Anfang des 20. Jahrhunderts in Island gab es sicherlich auch nicht viele Vorbilder und Wahlmöglichkeiten. Je mehr sie aber erlebt, je mehr sie durchmacht, desto mehr, finde ich, merkt sie, was sie nicht will – auch wenn sie das nicht immer so gut kommunizieren kann. 


Die Eismalerin besteht aus drei Teilen, die zeitlich voneinander abgegrenzt sind und einige Jahre auseinander liegen. Zwischen den Kapiteln gibt es kurze Beschreibungen von Bildern, die Karitas im Verlauf malt. Wie gefiel euch die Struktur des Romans und welche Funktion haben in euren Augen die kurzen Bildbeschreibungen?

Anne: Jeder der drei Teile orientiert sich offenbar an einem Lebensabschnitt von Karitas – junges Mädchen, junge Frau und Mutter, schließlich reife Frau, die endlich beginnt einen eigenen Weg zu gehen – und beschreibt so auch eine innere Entwicklung. Ich konnte aus der Struktur des Romans jedoch nicht viel herauslesen. Karitas malt/zeichnet was um sie herum passiert und was in ihr ist. Eine tiefer gehende Funktion der Bildbeschreibungen bzw. deren Bezug zum Inhalt des Buches hat sich mir nicht erschlossen.

Freya: Der Ansatz, Zeitsprünge in den Roman einzubauen, ist an sich ein geeignetes Mittel für einen Geschichtsroman. Allerdings hat man doch das Gefühl, prägende Ereignisse, welche für Karitas Charakterbildung verantwortlich sind, zu verpassen, z.B. ihr Kunststudium. Die Bildbeschreibungen fügen sich nur ungenügend in den Roman ein und scheinen selten direkt mit dem Verlauf der Geschichte verknüpft zu sein oder diesen zu bereichern. Der Leser hegt die Hoffnung, dass sich die literarischen Vignetten im Laufe des Romans zu einem Ganzen, einem Mosaik zusammenfügen, jedoch bleibt deren Funktion leider sehr an der Oberfläche und, so scheint es, rein struktureller Natur. Vergleicht man die Erklärungen der von Karitas geschaffenen Bilder mit den Kapiteln, so kristallisiert sich kein auffälliger Stilwechsel heraus; vielmehr werden die Ereignisse in der Geschichte gleichermaßen mit Worten gemalt, ohne in die Tiefe zu gehen.

Sigrid: Die Beschreibungen der Bilder strukturieren die Erzählung. Auf ein Bild folgt immer eine detailliertere Beschreibung dessen, wie es zu der Situation im Bild kam oder was darauf folgt. Dabei sind die Bilder immer im Präsens und aus der Perspektive von Karitas beschrieben, während die Schilderungen der passenden Situationen in der Vergangenheit und in personaler Erzählperspektive dargestellt werden. Das Bild ist also immer eine persönliche Momentaufnahme, in der Karitas aber niemals Situationen bewertet oder persönliche Gefühle einzubringen scheint, da sie immer nur beschreibt, was sie sieht. In den Passagen, die in personaler Erzählperspektive geschrieben sind, sind die Beschreibungen des Erzählers ausführlicher und wir erfahren die Gedanken und Aussagen der Figuren ebenso wie die Geschehnisse um sie herum. Aber die Erzählung ist ebenfalls nie wertend. Stattdessen muss der Leser zwischen den Zeilen lesen, um z.B. Ironie zu erkennen.

Anne-Kathrin: Die Bildbeschreibungen habe ich fast immer nur überflogen. Ich fand sie eher überflüssig, aber immerhin nicht störend in der Gesamtkonzeption. Das gilt auch für die Zeitsprünge zwischen den Kapiteln, die mich nicht sonderlich beschäftigt haben, um ehrlich zu sein.

Jessica: Ich fand die Bildbeschreibungen, die ja eigentlich viel mehr die auf dem Bild dargestellte Atmosphäre beschreiben als das Bild selbst, schön und sehr poetisch. Da sie im Gegensatz zum übrigen Roman in der Ich-Perspektive geschrieben sind, bekommt man einen tieferen Einblick in Karitas' Art Menschen und Stimmungen wahrzunehmen. 

Ann-Christin: Diese Beschreibungen fangen den Augenblick ein und strahlen Ruhe aus, aber ich empfinde sie nicht besonders poetisch. Vor allem gefallen hat mir der Übergang von der reinen, kursiv gedruckten Beschreibung zu Karitas' Perspektive, die das Standbild sozusagen zum Leben erweckt und die Situation schildert, in der sie ihr Bild angefertigt hat.
 
Eva: Die Idee, den Kapiteln jeweils eine Bildbeschreibung voranzustellen gefiel mir auch grundsätzlich sehr gut und ich war zu Beginn gespannt darauf herauszufinden, wie die Autorin dies konkret umgesetzt hat und welche Funktion diese Passagen haben könnten. Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen und speziell die Bildbeschreibungen nochmal rekapituliert habe, bin ich jedoch eher enttäuscht. Für mich haben die Beschreibungen keine nachvollziehbare/ersichtliche Funktion und mir fehlt daher das kluge Konzept, das ich dahinter vermutet hätte. Dies hat auch damit zu tun, dass die Malerei im Buch insgesamt eine weniger wichtige Rolle spielt, als der deutsche Titel es erwarten lässt.

Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin. übers. v. Coletta Bürling. Fischer, 2007.

Von Silvia

Donnerstag, 13. März 2014

»Lachen ist eine gemeinsame Sprache« - Rückblick auf die Lesung von Timo Parvela aus seiner engagierten Kinderbuchreihe »Ella«

Eins muss man vorweg gleich sagen: Timo Parvela nimmt in seinen Ella-Büchern die Probleme des Schulalltags sehr ernst. Nur um Kinder und Erwachsene im nächsten Moment gemeinsam über sie lachen zu lassen. Das ist engagierte Kinder- und Erwachsenenliteratur.

Engagierte Kinderbuchreihe für Jungen und Mädchen

Finnland ist ein Land, das sich rührend um seinen Nachwuchs kümmert. Das ist seit den berühmten Pisa-Studien nun kein Geheimnis mehr. Kein Wunder also, wenn das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse seinen Schwerpunkt auf »Lesen und Lernen« gelegt hat. Und weil die FinnInnen gut vorbereitet und voller Vorfreude sind, hatte die finnische Botschaft am Dienstagvormittag eine Busladung Berliner Schulklassen zur Lesung von Timo Parvela eingeladen. Das Auditorium war gefüllt mit Jungen und Mädchen der zweiten bis vierten Klasse, die aufmerksam den Ella-Geschichten lauschten und sich vor Lachen nicht mehr halten konnten, als Ellas Lehrer im Schwimmunterricht auf einem Stück Seife am Beckenrand ausrutscht.
 
Die Bücherreihe ist ein Bestseller, der sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen gleichermaßen ankommt. Die Ich-Erzählerin Ella berichtet von ihrem Schulalltag, der voll ist von Missgeschicken, kleinen Erfolgen, Enttäuschungen und großen Abenteuern. Im Zentrum der Geschichten steht das Verhältnis zwischen LehrerInnen und SchülerInnen. Und immer ist viel Humor mit im Spiel. 

Parvela: Wer lacht, versteht einander

Warum ihm das Lustige so wichtig ist, das verriet der Autor den Kindern höchstpersönlich. Lachen sei eine gemeinsame Sprache und wenn man die gleiche Sprache spreche, verstehe man sich besser, ganz einfach. »Mit den Ella-Büchern will ich alle zum Lachen bringen, Lehrer und Schüler, Eltern und Kinder«, sagte Timo Parvela.

Tatsächlich macht es als Erwachsener genauso viel Spaß, den Geschichten zuzuhören. Oft spielt der Autor mit den unterschiedlichen Perspektiven der Lehrer und der Kinder. Und daraus ergeben sich die komischsten Situation. Deshalb gibt es Momente, wenn eben doch nur die Großen im Saal lachen. Am Schönsten fände er es, verriet der Autor den Erwachsenen im Nachhinein, wenn der Saal im Lachen vereint sei.
 
Selbstbewusste und fröhliche Charaktere begeistern

Die Ella-Geschichten sind heiter und fröhlich, ohne banal oder oberflächlich zu sein. Oft geht es sehr chaotisch zu, die Kinder machen viel Blödsinn, helfen dem Lehrer aber oft aus der Patsche. Denn auch er ist nicht fehlerfrei und des öfteren genervt. Die Charaktere haben alle ihr eigenes Markenzeichen: Timo ist das Klassengenie, Mika läuft immer im Batman-Kostüm herum und der Hausmeister hat einen Aufräumfimmel. Doch auch der Klügste der Klasse vertut sich mal und der Klassendödel Pekka ist nicht wirklich dumm, sondern nur ein bisschen dödelig, wie die Protagonistin in der jüngst erschienenen deutschen Ausgabe Ella und der Millionendieb verrät. In der Gruppe sind die Kinder selbstbewusste, kreativ und unternehmungslustig. Überkinder sind sie aber nicht - sie verstehen und wissen bei weitem nicht alles.

Vielleicht hatten die Schulkinder im Saal deshalb so wenig Hemmungen, dem Autor ihre Fragen zu stellen. Wie kerzengerade Streichhölzer reckten sich die kleinen Arme gegen die Decke. Und kaum war ein Ärmchen runter gegangen, schossen zehn neue empor. Wie lange es dauere, ein Buch zu schreiben, wollte ein Junge wissen. Das könne er nicht genau sagen, meinte Timo Parvela, aber so ungefähr drei Monate, zwei Wochen, vier Tage, drei Minuten und 15 Sekunden. Ein Mädchen fragte, ob der Autor auch traurige Geschichten geschrieben habe. Das bejahte er, denn Trauer sei wie das Lachen eine gemeinsame Sprache. Am besten seien wahrscheinlich die Geschichten, die gleichzeitig lustig und traurig seien. Denn wenn zwischendurch nichts anderes komme, sei das Lachen nachher nicht mehr so schön, sagte Timo Parvela und lachte.

Von Hanna